Meine Oma feierte diese Woche ihren 90. Geburtstag und wir feierten ihr Leben. Ein Leben, das sich nicht in einigen Stunden erzählen lässt: Kindheit in Georgien, Vertreibung und Gefangenschaft in Sibirien, Aufbau einer neuen Existenz im Ural, Umzug nach Usbekistan, der Tod ihrer Tochter als junge Mutter, später die Auswanderung nach Deutschland und der Tod ihres Mannes.
Um sie versammelt, stehen wir – ihr Vermächtnis: 2 Kinder, 6 Enkel und 10 Urenkel. An diesem Tag fließen viele Tränen. Sie weint über Erlebtes, Verlorenes und Schweres. Ich habe Hochachtung vor dem, was sie geschafft hat. Als die Urenkel singen, strahlt sie und ich sehe, dass sie glücklich ist. Es fällt ihr manchmal schwer, dieses lange Leben als ein Privileg zu sehen und all das zu verarbeiten, was sie hinter sich gelassen hat. Aber sie ist ein Geschenk an uns, ihre Familie.
Ich spüre eine tiefe Dankbarkeit und Demut über mein eigenes Dasein. Am Leben meiner Oma gemessen, fehlt es mir an nichts und doch lassen mich meine Wohlstands-Sorgen oft vergessen, wie gut es mir und meiner Familie geht.
Ich frage mich oft, wie es für uns weiter geht. Schaffen wir es in diesem privilegierten, reichen Deutschland und dem „Haben-wollen-Einstellung“ weiterhin, glücklich zu sein? Schaffen es meine Kinder? Ich hoffe es für mich und für sie. Ich wünsche ihnen ein Leben voller Dankbarkeit und Frieden.
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