Sobald ich in diesen Tagen eine App öffne, die sich auch nur in der Nähe des Internets befindet, springen mich Valentins-Geschenkvorschläge von allen Seiten an. Meine schwäbische Herkunft verbietet mir jedoch, an Geschenke einen Gedanken zu verschwenden – und das kam so:
Als Kind schien ich sehr verträumt gewesen zu sein, in Wahrheit war ich jedoch hauptsächlich damit beschäftigt, die Vorbilder in meiner unmittelbaren Nähe und ihre Beziehungen untereinander zu studieren. Am meisten überrascht war ich immer von den seltsamen Geschenken, die sich die Erwachsenen gegenseitig machten – und welche Reaktionen sie hervorriefen. Mein Vater schien sich an Weihnachten riesig über Socken, Handschuhe und Unterhosen zu freuen, während meine Mutter über einem Dampf- Kochtopf oder einem Bügeleisen jubilierte. Ich frage mich heute, wie viele Geburtstage und Weihnachtsfeste es wohl gebraucht hatte, bis der Haushalt und der Kleiderschrank meiner Eltern komplett war.
Ans Schenken tastete ich mich dann langsam heran (von Mixtapes bis hin zu teuren Geschenken – und wieder zurück zum Selbstgemachten), bin leider noch immer nicht der perfekte Geschenkemacher. Aufatmen durfte ich dann erst, als ich erfuhr, dass es verschiedene Arten gibt, Liebe zu zeigen. Ein Autor zählte sie kurz durch und kam auf genau fünf „Sprachen der Liebe“: Lob, Zweisamkeit, Geschenke,  Hilfsbereitschaft und Zärtlichkeit. Es war für uns ein erhellender Moment, herauszufinden, was unsere Liebessprache ist und die Gedanken darauf zu richten, was der Partner sich wirklich wünscht.
Nun schließe ich die Apps und nehme mir Zeit, meiner Frau zuzuhören. Das wünscht sie sich nämlich wirklich: ungeteilte Aufmerksamkeit. Und da freut sich auch der schwäbische Geldbeutel.
J

 

 

Turteltaeubchen