Everybody helps me make my own mistakes.

Mansun, aus dem Album „Six“

 

Joghurt

„Der hat mehr als ich, ich will aber auch und das ist so unfair!“ …Irgendwann hatte ich es satt. So bekam jedes meiner Kinder zum Abendessen einen eigenen Tomaten-Mozzarella-Teller. Ich dachte schon ernsthaft darüber nach, jedem Kind das eigene Müsli, seinen eigenen Joghurt, Nutella, Marmelade, Käse usw. zu besorgen, die Sachen mit ihrem Namen zu versehen und wie in einer WG jedem seine Schublade zuzuordnen. Eine Wohngemeinschaft mit dem Schwerpunkt „MEINS“ und „DEINS“ alles streng sortiert und mit einem Sicherheitsschloss versehen.

Was soll das eigentlich und was trage ich dazu bei? Als meine Kinder neulich schon wieder unzufrieden waren, weil eine Tomate auf dem eigenen Tomaten-Mozzarella-Teller dicker geschnitten war als beim anderen, brach es aus mir heraus: Die Wut über meine verwöhnten Kinder und über meine eigene Unzufriedenheit (weil ein Urlaub mit Halbpension auch toll gewesen wäre, mit so vielen Kindern), die Wut über die blöde unzufriedene Gesellschaft und ich sagte mit bestimmter, lauter Stimme und ernsthaftem Blick: „Jetzt ist Schluss, wir müssen nicht fliehen, nicht Not leiden und selten Angst haben. Uns geht es gut. Irgendwo anders müssen Kinder…“ Diesen Spruch kennen wir noch von unseren Eltern, aber es war so als hätte ich auch mich selbst wieder gerade gerückt.

In einer Zeit, in der immer mehr Menschen echte Not leiden, stelle ich mir die Frage, was ich tun kann, in meiner Welt. Zuallererst sollte ich bei mir anfangen, bei meiner Familie. Wir erziehen die zukünftige Generation. Was würde aber passieren, wenn -wie von einigen Erziehungswissenschaftlern in letzter Zeit erwähnt- die heutigen Kinder im Erwachsenenalter gar nicht mehr überlebensfähig wären, weil sie dies gar nicht gelernt haben?

Die Überbehütung der „Helikopter-Eltern“ die ständig über ihrem Nachwuchs kreisen, hat zum Resultat, dass den Kindern kaum mehr etwas zugetraut und ihnen einiges regelrecht erspart oder abgenommen wird. Wir verwöhnen sie! Tun wir ihnen damit einen Gefallen, wenn wir alle Verantwortung von ihren Schultern nehmen?

In der Natur braucht ein Adlerjunges bis zu 48 Stunden, um sich beim Schlüpfen von der Schale zu befreien – in der Aufzucht wird nachgeholfen. Nach 75 Tagen verlassen die Jungen ihr Nest. Zu Beginn werden sie noch teilweise versorgt, auch bei Gefahr dürfen sie zurück zum Horst. Monatelang betteln die jungen Adler bei ihren Eltern noch nach Beute, aber umsonst! Die Eltern verstecken sich beim Fressen und ignorieren den Nachwuchs, der sich mit 4 Monaten schließlich selbst versorgen kann.

Wir sollten uns ein Beispiel an den Adlern nehmen. Wir können da sein für die Kinder, sie vor allem lieben und konsequent erziehen. Wir können ihnen einen Ort der Sicherheit geben, sie aber ihre eigenen Erfahrungen machen lassen, dabei um die Ecke spähen und uns dazu zwingen, nicht einzugreifen. Das macht sie zu starken Kindern, die bei der ersten Schwierigkeit in ihrem Leben nicht umfallen, sondern aufstehen, lernen und weitergehen!