INNERFAMILIÄR

Beiträge aus der Kategorie “Familienleben

Augen auf für den Moment!

Veröffentlicht in 9. April 2014

Als wir jung (Mitte 20) Kinder bekamen, machte sich unser Umfeld Sorgen, wir könnten was verpassen. Wie oft hörte ich Sätze wie: „Willst du nicht noch studieren/bald arbeiten/dich fortbilden?“ Der Opfergedanke aber, der mir heutzutage regelrecht aufgedrängt wird, ist folgender: Du gibst für die Kinder deine Wünsche, Begabungen und überhaupt alles auf. Das Leben ist doch viel mehr als Herd und Kinder! Für dich steht die Welt offen, es ist alles möglich, du kannst noch so viel mehr tun und erreichen- und keine Sorge, die emanzipierte Frau kann das! Du musst nichts lassen, du kannst alles auf einmal und das zu 150%! Frauen wollen arbeiten, gute Mütter und Ehefrauen sein. Am Ende der ganzen Diskussion steht dann die Frage: „Wo bleibe bei alldem eigentlich ich?“

Individuelle Bedürfnisse sind unterschiedlich und jeder lebt seinen Lebensentwurf wie er möchte. Berufstätig, mit Kindern, alleine, als Paar, Karriere, mit Krippenplatz oder ohne. Wir entscheiden! Alles auf einmal haben zu wollen, den Gedanken, stets präsent zu sein und bestimmte Rollen ausfüllen zu müssen – dies kennen wir nur zu gut. Wer setzt uns unter Druck? Was opfern wir? Was oder wer stresst uns? Wer erwartet was von uns? Und die wichtigste Frage überhaupt: Wie sorge ich für mich? Etwas entbehren, opfern, aufgeben, lassen muss jeder von uns, irgendwann, zu allen Phasen unseres Lebens: für die Arbeit, für das Glück, für die Freundschaft, für die Familie oder für alles, was einem wichtig wird.

Eines haben wir alle gemeinsam: die Verantwortung für unser Leben! Es geht um das Hier und Jetzt. Hier liebe, spüre, lebe, weine und lache ich. Die Suche nach dem persönlichen Glück sollte das Erstrebenswerteste für jeden von uns sein.

 

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Mein unperfekter Perfektionismus

Veröffentlicht in 23. März 2014

Ich führe einen perfekten Haushalt, habe adrett angezogene Kinder und überhaupt… Wir sind die perfekte Familie – nicht! Ich bin das wandelnde schlechte Gewissen einiger Freundinnen und Bekannten. Schlimm, denn schon auf der Türschwelle, wenn ich zu Besuch bin, entschuldigen sich Freunde für ihr „Chaos“. Zu Besuch bei mir werde ich auch hin und wieder gefragt: „Hast du eigentlich eine Putzfrau?“
Ich dachte oft, ich sei eben eine Perfektionistin. Aber: Wer will das schon sein? Deshalb musste ich schnellstens etwas dagegen tun. Ich ließ die Kinder ihre Kleider einfach so lange tragen, bis man vor lauter Flecken das Muster nicht mehr erkennen konnte. Ich schwänzte Elternabende oder vergaß auf der Faschingsfeier als einzige, die Kinder zu verkleiden. Ich wusch mir die Haare nur alle drei Tage und ging in Jogginghosen zum Einkaufen. Alle sollten es sehen: Ich bin nicht euer schlechtes Gewissen, ich habe es genauso wenig im Griff wie ihr!
Aber jeder malt von seinem Mitmenschen ein Bild, das in der Regel schnell fertig ist. Viele sehen nur, was sie gerne sehen möchten.
Eine Zeit lang, als ich mit zwei Kleinkindern chronisch überfordert war, befolgte ich Tipps meiner Freundinnen, wie: „Lass einfach mal alles liegen!“, „Wasch halt nur einmal in der Woche die Wäsche!“ Nur, dass dann die Arbeit am Ende der Woche unüberwindbar zu sein schien und es vom Liegenlassen auch nicht weniger wurde.

Bin ich nun eine Perfektionistin? Nein, gar nicht! Ich bin ordnungsliebend, denn Ordnung brauche ich für meinen inneren Seelenzustand. Die einen gehen zum Psychiater und ich ordne! Saugen – (häufig bis sehr häufig, weil bei vier Kindern der halbe Sandkasten im Haus zu finden ist) ist doch tatsächlich inspirierend für mich, aus dieser monotonen Arbeit entspringen viele Ideen.
Ich bin eine Putz-Agentin, die ihr Mikrofasertuch zückt, wenn sie Schmutz sieht. Von meinem Boden kann man trotzdem nicht essen, denn ich bin wirklich perfekt unperfekt.

 

 

perfektionismus

Über das echte Leben

Veröffentlicht in 7. Februar 2014

Liebe ist Spannung und Erfüllung
Sie ist Sehnsucht und Feindschaft.
Sie ist Freude und Schmerz.
Eines gibt es nicht ohne das andere.
Glück ist nur ein Teil der Liebe-
auch Leiden gehört zur Liebe, ihre Schönheit und Bürde.
Liebe ist ein Gefühl, das man lernen muss.

Walter Trobisch

Vier Tage eingesperrt mit zwei fiebernden Kindern und dem alltäglichem Wahnsinn, sehe ich die Welt noch einmal aus einer anderen Perspektive. Ich sehe die genervte, ungeduldige und unfähige Seite meiner Selbst. Wenn die Müdigkeit mich zu einer hysterischen, genervten Mutter und Ehefrau macht, weiß ich wie schwer es ist, selbstlos zu sein. Ich sehne mich nach unausschöpflicher Liebe, denn ich habe sie nicht – nicht, wenn ich aus meinem Gleichgewicht komme.

Als Mutter glaube und erlebe ich, dass meine Möglichkeit, Liebe zu geben beschränkt ist. Kennt ihr diesen Zustand, wenn die Kraft und Geduld schwindet? Ich glaube, früher oder später kommt jeder in seinem Leben (auch wenn wir es nicht zugeben wollen) an eine Grenze, die einen zu Boden zwingt, das Aufstehen kostet dann viel Kraft und Geduld. Was in unserem Leben geschieht, haben wir oft nicht in der Hand. Am stärksten habe ich das erlebt, als wir unseren Pflegesohn (Kind Nummer 4) in unsere Familie aufgenommen haben. Er kam zu uns als Säugling und anders als erwartet (und gehofft) hatte er einen großen Rucksack an Last mitgebracht. Seine Last wurde zu unserer. Seine Bindungsabbrüche beschäftigten ihn Tag und Nacht. Seine Wut, Angst und seinen Schmerz schrie er Tag und Nacht hinaus, über Monate hinweg. Das brachte und bringt uns als Familie immer wieder an unsere Grenzen. Zu sehen, was wir tragen und ertragen können, war eine Offenbarung. Wir Menschen können nur geben, wenn wir auch selbst auftanken können. Ich für mich schöpfe Kraft aus meinem Glauben, der Hoffnung und der tiefen Dankbarkeit zu leben.

Scheitern und Fallen gehört zum Leben dazu. Dass auch Leiden zur Liebe gehört, Freude und Schmerz ganz eng beieinander liegen, vergessen wir oft oder wollen es nicht sehen.

Diese Woche war schmerzhaft, ABER die Freude und Hoffnung auf morgen wartet schon.

 

 

Sonnenschirm

Ich bin nicht der Nabel der Welt!

Veröffentlicht in 29. Januar 2014

Mein Alltag ist wie eine Domino-Day-Show. Vom Start bis ins Ziel ist jeder Schritt gut geplant und durchdacht. Meistens funktioniert mein Kleinbetrieb richtig gut, es sei denn es funkt etwas oder jemand dazwischen. Nach dem Urlaub und den Ferien höre ich von Freundinnen: „Es war schön mit meinem Mann zu Hause – aber ich bin froh, wenn der Alltag wieder losgeht!“. Auch mir geht es so.

Dieses „Gemeinsame“ ist echt schwer. Wenn wir als Partner-Team unterwegs sind, kommt mein System ganz schön durcheinander und der Streit ist vorprogrammiert. Am Samstagmorgen, nach einigem hin und her Geäffe und vielen Vorwürfen musste ich wieder erkennen, (Tadaa – was für eine Erleuchtung!) dass mein Mann und ich von Grund auf unterschiedlich handeln, reden und hören. Ich bin ich und er ist anders. Wir gehen grundsätzlich unterschiedlich an Dinge heran und haben verschiedene Prioritäten. Warum schaffe ich es nicht, ihn vieles einfach machen zu lassen? Ist doch egal, ob die Kleider der Kinder zusammenpassen oder nicht! Scheiß auf die nicht gekämmten Haare, Mann! Er leistet genug: Arbeit (voll), Entlastung, Reparaturen, Trost, Hilfe, Erheiterung, Versöhnung, Beruhigung und vor allem liebt er. Ich, der Kontrollfreak, bin nicht der Nabel der Welt und kann es sicher schaffen, wertschätzender zu sein und ihn so stehen zu lassen wie er ist.

 

Menschen-Fest-web

Mutter, Oma & Uroma

Veröffentlicht in 21. Januar 2014

Meine Oma feierte diese Woche ihren 90. Geburtstag und wir feierten ihr Leben. Ein Leben, das sich nicht in einigen Stunden erzählen lässt: Kindheit in Georgien, Vertreibung und Gefangenschaft in Sibirien, Aufbau einer neuen Existenz im Ural, Umzug nach Usbekistan, der Tod ihrer Tochter als junge Mutter, später die Auswanderung nach Deutschland und der Tod ihres Mannes.
Um sie versammelt, stehen wir – ihr Vermächtnis: 2 Kinder, 6 Enkel und 10 Urenkel. An diesem Tag fließen viele Tränen. Sie weint über Erlebtes, Verlorenes und Schweres. Ich habe Hochachtung vor dem, was sie geschafft hat. Als die Urenkel singen, strahlt sie und ich sehe, dass sie glücklich ist. Es fällt ihr manchmal schwer, dieses lange Leben als ein Privileg zu sehen und all das zu verarbeiten, was sie hinter sich gelassen hat. Aber sie ist ein Geschenk an uns, ihre Familie.
Ich spüre eine tiefe Dankbarkeit und Demut über mein eigenes Dasein. Am Leben meiner Oma gemessen, fehlt es mir an nichts und doch lassen mich meine Wohlstands-Sorgen oft vergessen, wie gut es mir und meiner Familie geht.
Ich frage mich oft, wie es für uns weiter geht. Schaffen wir es in diesem privilegierten, reichen Deutschland und dem „Haben-wollen-Einstellung“ weiterhin, glücklich zu sein? Schaffen es meine Kinder? Ich hoffe es für mich und für sie. Ich wünsche ihnen ein Leben voller Dankbarkeit und Frieden.
Oma-Urenkel-Web

Nächstes Mal klappt’s besser

Veröffentlicht in 10. Januar 2014

Wenn wir mit unseren vier Kindern unterwegs sind, fallen wir auf. Nicht nur, weil es viele sind, sondern auch, weil sie so unterschiedlich aussehen: blond, braun, dunkel, schwarz; alles dabei.

Neulich im Drogeriemarkt: Ich, „junge“ Mutter, an diesem Tag äußerlich eher im Schlabberlook (also kein schönes Bild für Hauptstadtmuttis), mit allen Kindern, die nach Mittagessen und Spielplatz eingesaut waren, entschloss mich, „kurz“ einkaufen zu gehen. Ich dachte mir, so ganz selbstsicher und fest entschlossen: Wenn ich mit den Kindern vorher die Regeln, Warnsignale und Konsequenzen bespreche und ihnen Aufgaben zuteile, wird nichts schief gehen. Der Plan schien perfekt, ich klopfte mir in Gedanken schon selbst auf die Schulter.

Im Laden angekommen lief es auch zu Beginn ganz gut. Ab der Mitte, so ungefähr beim Toilettenpapier, suchte ich schon das erste Kind. Gebrüll im ganzen Markt. Als ich Nummer 1 hatte, war Nummer 2 weg. So ging es weiter. An der Kasse angekommen, schon ganz verschwitzt, besprach ich noch einmal schnell die Regeln und wies auf die Konsequenzen hin. „Wer will jetzt schon ins Auto?“ Also gut, alle sind wieder lieb.

Leider hält dieser Zustand nur so lange, bis ich mit dem Ausräumen des Wagens beschäftigt bin. Nummer 1 rammt den Wagen an Nummer 2, beide heulen, reißen sich dabei auch noch die Einkäufe aus der Hand. Nummer 3 und 4 rennen mit ihren Wägen, mit unbezahlten Einkäufen auf den Parkplatz. Ich räume, schreie, renne, irgendwie alles gleichzeitig. Hinter mir zwei Omas, die sich über die heutigen Kinder aufregen und eine Verkäuferin die versucht, die Omas zu beruhigen und selbst nicht den Überblick zu verlieren. Zu guter Letzt versagt meine EC-Karte. Das war wohl für alle zuviel.

 

 

 

Einkaufen
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