INNERFAMILIÄR

Beiträge aus der Kategorie “Kommunikation

Nähe vs. Distanz

Veröffentlicht in 2. März 2014

Freundschaft ist eine Kunst der Distanz,
so wie die Liebe eine Kunst der Nähe ist.

Sigmund Graff

Naehe

Der Vollständigkeit halber ergänzen wir die beiden Pole Beständigkeit vs. Veränderung mit der Achse Nähe vs. Distanz.

 

J
In der Verliebtheitsphase, als die Schmetterlinge flatterten, gingen wir stundenlang Hand in Hand spazieren, führten Gespräche, visionierten und stellten uns unser weiteres gemeinsames Leben vor. Wir waren uns selbst genug.

E
Neulich beim Aufräumen des Speichers fielen mir die Kisten mit all den Liebesbriefen aus den ersten Jahren in die Hand, die ich schon ganz vergessen hatte. Wir schafften durch diese Briefe eine Nähe in der räumlichen Distanz – damals noch ohne Handy oder Internet.

J
Es ist kein Geheimnis, dass sich dann nach einigen Jahren Beziehung die erste, intensive Nähe neu verorten muss. Wie bei einem Pendel das sich, einmal in Schwung versetzt, ständig bewegt zwischen Nähe und Distanz.

 
E
Aber jeder definiert Nähe ganz subjektiv. Für mich ist es die ungeteilte Aufmerksamkeit im Gespräch, das höre ich auch immer wieder von anderen Frauen. Männer und Frauen reden anders und hören anders. Wir Frauen reden untereinander gern über Gefühle – auch unsere Freundschaften  definieren sich eher darüber.

J
Wir Männer unternehmen eher etwas gemeinsam, aber oft ergeben sich dabei auch gute Gespräche. Ich habe den Eindruck, Frauen steigen schneller in tiefe Unterhaltungen ein. Das ist mir manchmal zu ernst.

E
Wir wälzen schon vieles um, wobei ich in meinen Freundschaften so auch eine Verbundenheit schaffe. Wir Frauen beklagen uns bei euch Männern, dass ihr zu wenig erzählt oder uns schlecht zuhört… Dir fühle ich mich nahe, wenn du mir zuhörst, auch wenn ich dir etwas zum zehnten Mal erzähle. Ich fühle mich dann respektiert, wertgeschätzt und wahrgenommen.

J
Das stimmt! Ich lerne, dir zuzuhören, ohne gleich Lösungsvorschläge zu machen.

E
Wenn ich erzähle, ist es kein Appell an dich, etwas zu verändern – ich  verarbeite.

J
Der Alltag lässt oft wenig Zeit zu reden. Wegen unseren großen Kindern müssen wir viele Themen auf den Abend verschieben. Wenn es dann aber auch noch unruhig ist…

E
…dann ist die Stimmung sehr gereizt und wir sollten schnell eine Bremse ziehen, Zeit miteinander verbringen. Nähe ist für mich also Kommunikation. Wie ist es mit dir? Was ist Nähe für dich?

J
Nähe ist für mich auf jeden Fall auch Zärtlichkeit. Ich brauche manchmal aber auch die nötige Distanz, um mir selbst klar zu werden, was ich will. Anders als du verarbeite ich eher alleine. Ich höre beim Autofahren Musik und lasse meine Gedanken schweifen. Also, ich würde mich bei der imaginären Achse genau zwischen Nähe und Distanz setzen.

E
…und ich voll bei Nähe.

 

 

Und auch wenn Schweigen Gold ist…

Veröffentlicht in 3. Februar 2014

Zum Thema Kommunikation zwischen Mann und Frau gibt es viel zu sagen. In der Beziehung zweier Liebenden, im Leben mit Kindern, in Freundschaften und in jeder Begegnung im Leben geht es ums Reden und Hören. Früh übt sich, denn  schon von meinen Kleinen erwarte ich, dass sie mir sagen, was sie möchten. Der Dreijährige streckt mir den leeren Becher hin – naheliegend, was er möchte – aber ich schenke ihm nicht ein. Ich möchte, dass er lernt zu sagen, was er will. Die Kinder haben’s drauf mit der nonverbalen Kommunikation. Sie machen oft die Erfahrung, dass es gut funktioniert und ich merke, wie schnell ich darauf hereinfalle.
Mein Mann und ich sind schon eine lange Zeit ein Paar und wir verstehen uns blind – Pustekuchen! Eigentlich  könnte ich in dieser Zeit doch gelernt haben, zu sagen was ich will. Leider muss ich gestehen: nicht so ganz! Ich erwarte immer noch.
Du kennst mich schon lange, kennst meine Stimmungen, musst doch mittlerweile wissen wann ich was brauche! Du müsstest doch sehen, dass ich reden will!
Das Thema scheint uns zu verfolgen. Am Wochenende auf unserem Kurztrip ohne Kinder nach Köln und Düsseldorf hörten wir im Radio einen Beitrag mit Angela Troni, die das Buch „Frauen verstehen in 60 Minuten/Männer verstehen in 60 Minuten“ geschrieben hat. In Klischees denken fällt mir schwer und doch stellten wir uns die Frage: „Ist die Kommunikation zwischen den Geschlechtern  wirklich so kompliziert oder ist sie eher eine Frage des Charakters?“ Wie der Zufall so will, beobachteten wir am Abend folgende Situation:
Die Frau bringt ohne Worte eine leere Kinder-Trinkflasche in die Küche und drückt sie in die Hand ihres Mannes. Er stellt sie ab. Ich warte kurz und übersetze: „Ich glaube, du sollst da jetzt frisches Wasser einfüllen!“ Er macht es. Einige Minuten später kommt sie wieder und fragt: „Hast du frisches Wasser eingefüllt?“ Die Anwesenden lachen. Einer der Männer meint: „Immer dieses Erwartungen. Wenn man nicht immer erwartet,  kann man auch nicht enttäuscht werden!“ und schaut dabei seine Frau an. Also: It’s all about communication! Viel Spaß beim Reden!

Paarchen

50 Jahre Brötchen teilen

Veröffentlicht in 23. Januar 2014

Beim Frühstück kurz vor dem Fest der Goldenen Hochzeit dachte die Frau: Ich habe seit 50 Jahren meinem Mann immer eine Freude bereitet und ihm das knusprige Oberteil der Brötchen gegeben. Jetzt möchte ich mir endlich diese Delikatesse gönnen! Sie bestrich für sich die besagte Hälfte und gab ihrem Mann das Unterteil.
Entgegen ihren Erwartungen freute sich der Mann und sagte: Mein Liebling, ich habe seit 50 Jahren nicht mehr den unteren Teil des Brötchens gegessen, den ich am allerliebsten mag. Ich dachte immer, du solltest ihn haben, weil er dir so schmeckt! 

 

(Geschichte: nach Peseschkian)

 

Fruehstueck

Zwiegespräch zur Veränderung

Veröffentlicht in 5. Januar 2014

E:
Ich liebe Veränderung. Meistens  fange ich beim Saugen mit meinen Tagträumen an. Geistesblitze zu neuer Raumgestaltung, Geschäftsideen oder andere kreative Möglichkeiten fesseln mein Bewusstsein. Es ist seit jeher so bei mir. Wenn Ruhe einkehrt, finde ich es kurz angenehm, doch schon nach ein paar tiefen Atemzügen möchte ich schnell weitergehen.

J:
Ich tendiere auf dieser Achse eher zur Beständigkeit. Deine vielen Ideen überfordern mich manchmal; dann habe ich das Gefühl, dich beruhigen und bremsen zu müssen. Ein Beispiel: Wir redeten darüber, einen Sichtschutz an die Terrasse anzubringen. Kaum war ich mit dem gekauften Material vom Baumarkt zurück, hattest du schon die nächste Idee.

E:
Ja, stimmt, und jetzt ist keine der beiden Vorhaben verwirklicht und das Holz dreht Däumchen. Das ist das Problem, ich beginne eine Baustelle nach der anderen, ohne die erste zu Ende zu bringen.

J:
Auf der anderen Seite mag ich es natürlich auch nicht, wenn alles stagniert. Ich hätte gerne die Sichtblende gebaut und einen Moment im Liegestuhl davor verweilt.

E:
Ich finde meine Ideen-Explosionen im Kopf auch anstrengend. Seitdem wir zusammen sind, lerne ich immer mehr, meine ToDo- und Ideen-Listen nach Dringlichkeiten und Möglichkeiten zu ordnen. Spätestens seit den Kindern lerne ich Geduld.

J:
Das ist schon eine Herausforderung, diese Achse zwischen Beständigkeit und Veränderung. Irgendwo dazwischen können wir voneinander lernen.

 

 

Liegestuhl

  

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