INNERFAMILIÄR

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Wünsche // Vorwürfe

Posted on 18. Oktober 2015

Hipsterpaar

Was brauche ich, um glücklich zu sein? Was brauchst du, um glücklich zu sein und was braucht deine Partnerschaft, um glücklich zu sein?
Ganz schön viele und existenzielle Fragen, die nicht so hoppla hopp beantwortet werden können.

Diese aber könnten meiner Meinung nach ein Schlüssel für eine gesunde Partnerschaft werden.
Bist du in einer Beziehung, in der einer von euch nach seinem eigenen Vorteil handelt? In der das ICH im Fokus steht und dein Partner nur dabei ist, hinterher zu hecheln und sich dabei selbst zu verlieren? Oder treten in deiner Beziehung beide ICHs gegeneinander an und alles wird gegengerechnet? Befindest du dich im ständigen Kampf, um ja nicht zu kurz zu kommen? Oder bist du in einer Partnerschaft, in der man sich für einander ganz aufgibt und nur darum bemüht ist, es dem anderen recht zu machen? Verlierst du dabei die eigenen Bedürfnisse ganz aus den Augen?

Eine Ehe besteht aus einem ICH, einem DU und einem Wir. Diese drei im Gleichgewicht zu halten ist ein Drahtseil-Akt. Ich kann nicht immer nur ICH sein und es gibt nicht nur das DU und auch nicht nur ein WIR.

Irgendwann mussten wir feststellen, wie wichtig es für uns war, genau darüber zu sprechen. Immer wieder eskalierte es und die gleichen Konflikte kochten auf, oft gepaart mit Vorwürfen. Uns war nicht ganz klar, was der Kern vieler Auseinandersetzungen war, bis wir in der Beratung über persönliche Wünsche sprachen.

Meine unterschiedlichen Bedürfnisse können viele und vieles sein: ein Hobby, der Glaube, die Zweisamkeit, Reisen usw. Die im Streit an den Kopf geknallten Vorwürfe als Wünsche zu formulieren und mir selbst klar zu werden was ich brauche, um glücklich zu sein, ist nicht leicht. Unsere Wünsche verändern sich im Laufe des Lebens genau so, wie wir uns verändern. Der bewusste Umgang mit mir, den eigenen Wünschen, Erwartungen und Träumen ist wichtig. Nicht alles ist sofort möglich; die Lebensumstände lassen vieles gar nicht zu – vor allem bei einer Großfamilie.

Unsere größte Herausforderung in der Beziehung besteht darin, einander Mut zu machen, Wege zu finden, wie wir es schaffen können, miteinander lange glücklich zu bleiben. Ich bin für mein Glück selbst verantwortlich, nicht mein Mann oder mein Umfeld, ganz alleine ich.

ICH bin ICH, DU bist DU und WIR sind eine Einheit! Ich möchte mich sehen, aber auch dich. Das WIR ist mir sehr wichtig, deshalb habe ich mich entschieden, immer wieder KOMPROMISSE einzugehen, damit es ganz lange ein WIR gibt!


Elena

Interview: Besuch bei Freunden, Folge 1

Posted on 19. November 2014

anselm

Sagt bitte etwas zu euch!
Hi, wir sind Martin (31) früher Fachinformatiker (vorher war ich 2 Jahre in Kanada auf einer Bibelschule) und jetzt Sozialpädagoge, und Meike (30) Hauptschullehrerin.

Wie lange seid ihr ein Paar?
Ich (Martin) kann mir ja leider nur unseren Hochzeitstag merken, mein Gedächtnis für wichtige, historische Daten ist wohl im Geschichtsunterricht getötet worden. Ich sprach vor ein paar Tagen zufällig mit Meike darüber und daher weiß ich es ganz genau, wir sind jetzt mehr als 6 Jahre ein Paar und 2009 haben wir geheiratet.

Was ist euer größtes Glück?
Unser größtes Glück ist, dass unser Familienwunsch in Erfüllung gegangen ist und wir seit einem Jahr zu dritt sind. Die kleine Marla hat unser Leben auf den Kopf gestellt. Wir haben Freunde, die sehr viele Jahre vergeblich auf ein Kind gewartet haben. Für uns kam schon das eine Jahr ohne erfüllte Hoffnung wie eine Ewigkeit vor.

Was ist die größte Baustelle in eurer Beziehung?
Die kleinen Missverständnisse des Alltags sind eine Baustelle, jedoch die größte in unserer Beziehung ist die unterschiedliche Wahrnehmung von Dingen, denn diese birgt viel Streitpotential. Mir (Martin) kommt es manchmal so vor, als würde Meike mich nicht respektieren. Ich weiß, dass sie das niemals mit Absicht macht, ich bin sensibel und so kommt es bei mir an.
Ich (Meike) erlebe, dass Martin in manchen Situationen, z.B. wenn er sich respektlos behandelt fühl, schnell „explodiert“, dann finde ich nur schwer Zugang zu ihm. Er lässt mich einfach stehen und ich weiß oft nicht genau, was ich überhaupt falsch gemacht habe. Das macht mich immer wieder so richtig traurig.
Den anderen in seiner Wahrnehmung und Meinung stehen zu lassen, auch wenn man Dinge komplett anders sieht, ist eine große Herausforderungen für uns.

Was macht ihr zusammen am Liebsten?
Wir schauen gerne Filme. Wenn wir einen Babysitter organisieren können, gehen wir gern Essen und reden über Gott und die Welt. Freunde haben wir aber auch gern um uns.

Habt ihr einen Lieblingsplatz in eurer Wohnung?
Unser Sofa, die Küche finden wir aber auch cool, weil Essen einfach was Tolles ist.

Was liebt ihr aneinander?
Meike ist eine starke, attraktive und selbstbewusste Frau. Ich habe noch nie erlebt, dass sie sich für jemanden verstellt hat, um dadurch besser anzukommen, das bewundere und liebe ich an ihr. Sie kennt mich wirklich gut und trifft zu 99% meinen Geschmack. Sie steht voll und ganz hinter mir und meinen Entscheidungen, sie glaubt an mich und unterstützt mich, sonst hätte ich nicht den Mut gehabt, zu studieren. Mich hat es fasziniert, wie schnell sie sich in meine (russlanddeutsche) Familie integrieren konnte.
Ich, Meike, schätze Martins Umgang mit Menschen. Er ist interessiert an ihnen, freundlich, offenherzig und gesellig. Er bringt ihnen Wertschätzung entgegen und ist ein aufmerksamer Zuhörer. Ich liebe seine Kreativität. Er ist ein guter Musiker, Sänger, Sportler und ein wilder Koch. Er ist ein toller und liebevoller Papa. Es ist schön zu sehen, wie er Marla und mich liebt.

Was macht euch als Familie aus?
Wir sind eine glückliche Familie, wir lieben unser Leben und unsere Tochter. Wir sind beide offene und kontaktfreudige Menschen. Wir sind sensibel, was unseren Blick immer wieder auf unsere Mitmenschen lenkt. Wir sind absolute Beziehungs- und Familienmenschen. Wir lieben das sonntägliche Essen im Familienkreis und Treffen mit Freunden.

Welchen gemeinsamen Traum habt ihr?
Wir träumen davon, viel zu unternehmen und zu reisen. Wir wollen unsere Beziehung stärken, Zeit für unsere Familien und Freunde haben und bei alldem eine gute und gesunde Balance finden.
Wir wollen in unserer Kirche aktiv für andere da sein. Weil wir als Paar schon einige Konflikte überwunden haben und uns Freunde in der Bewältigung unterstützt haben, merken wir, dass es auch unser Wunsch ist, Menschen in Beziehungsthemen zu unterstützen.

Partner erziehen = unmöglich

Posted on 21. April 2014

“Wenn wir die Menschen nur nehmen, wie sie sind, so machen wir sie schlechter; wenn wir sie so behandeln, wie sie sein sollten, so bringen wir sie dahin, wohin sie zu bringen sind.”

(Goethe)

 

Es gibt die Zeit in der Beziehung -und sie kann sehr lange dauern- in der man daran scheitert, den Partner zu erziehen. Außer Stress und Streit bringen partnerschaftliche Erziehungsmaßnahmen so gut wie nichts, höchstens dass sich jemand für den Partner verbiegt und mit der Zeit schräg wird.
Das sind schlechte Nachrichten für alle Nörgler und Besserwisser! So ein Mist aber auch: meine Frau ist noch immer sehr gewissenhaft und packt vor jedem kleinen Ausflug Massen von Wanderrucksäcken voller Essen, Trinken, Feuchttüchern und Wechselkleider für 3 Tage. So ein Mist aber auch: ich bin noch immer zu gedankenlos und nehme auf einen Ausflug minimalistisches Gepäck mit. Mein Ausflug wird garantiert heiß beginnen und wir werden zwei Stunden später jammernd in T-Shirts mitten im Schneeregen feststecken. Obwohl wir uns mittlerweile gegenseitig annähern, werden sich gewisse Grundhaltungen nicht ändern lassen, und das ist gut! Denn je mehr wir die vermeintlichen Fehler des Partners als Stärken sehen und lobend erwähnen, desto entspannter wird unsere Einstellung zu ewigen Streitthemen. Beim nächsten Spaziergang werde ich vielleicht sogar die Regenjacken mitnehmen, auch wenn die Sonne scheint.

 

Gepaeck

Was will der Kerl?

Posted on 15. März 2014

Es wäre also an der Zeit, die Gegenfrage zu stellen: Was will denn der Mann? Will er reden oder machen? Will er Geld oder Glück? Will er Treue oder Abenteuer? Will er Liebe oder Macht?
Elisabeth Raether in: Die Zeit, Nummer 12, 2014

Traummann

Das sind gute Fragen, die ich mir selbst auch immer wieder stelle. Die beste Antwort auf unsere (männlichen) Bedürfnisse gibt unser Leben selbst und die Art und Weise, wie wir uns in Arbeit, Partnerschaft und Familie einbringen.
Schulz von Thun fasst die Grundbedürfnisse des Menschen vereinfacht zusammen: wertvoll sein, geliebt sein, frei sein und verbunden sein. Nur reden wir Männern nicht immer gern darüber! Also:
Will er reden oder machen?
Ich will auf jeden Fall machen!
Will er Geld oder Glück? 
Natürlich beides!
Fühle ich mich im Job wertvoll, ist für mich die Arbeit das pure Glück. Erlebe ich wertvolle Verbundenheit, Akzeptanz und Liebe in Partnerschaft und Familie, folgt mir das Glück nach Hause. Viele meiner Freunde und Bekannte nehmen sich Zeit und übernehmen Verantwortung für die Familie.
Treue oder Abenteuer? 
Je aufregender und abwechslungsreicher mein Leben ist, desto treuer freue ich mich auf die Verbundenheit mit meiner Partnerin.
Liebe oder Macht? 
Diese Entscheidung ist für mich Charaktersache und hat weniger mit dem Geschlecht zu tun.
Schade, dass wir Männer uns nicht in Talkshows setzen, vom Mannsein schwärmen und darüber, was wir alles wollen und können. Was an einigen Menschen vorbeigeht: schon längst unterstützen wir unsere Partnerin und beraten gemeinsam, wer wann wie viel arbeitet und wie wir Partnerschaft und Familie am besten leben können. Nicht selten sind wir uns dabei sogar einig!

Nähe vs. Distanz

Posted on 2. März 2014

Freundschaft ist eine Kunst der Distanz,
so wie die Liebe eine Kunst der Nähe ist.

Sigmund Graff

Naehe

Der Vollständigkeit halber ergänzen wir die beiden Pole Beständigkeit vs. Veränderung mit der Achse Nähe vs. Distanz.

 

J
In der Verliebtheitsphase, als die Schmetterlinge flatterten, gingen wir stundenlang Hand in Hand spazieren, führten Gespräche, visionierten und stellten uns unser weiteres gemeinsames Leben vor. Wir waren uns selbst genug.

E
Neulich beim Aufräumen des Speichers fielen mir die Kisten mit all den Liebesbriefen aus den ersten Jahren in die Hand, die ich schon ganz vergessen hatte. Wir schafften durch diese Briefe eine Nähe in der räumlichen Distanz – damals noch ohne Handy oder Internet.

J
Es ist kein Geheimnis, dass sich dann nach einigen Jahren Beziehung die erste, intensive Nähe neu verorten muss. Wie bei einem Pendel das sich, einmal in Schwung versetzt, ständig bewegt zwischen Nähe und Distanz.

 
E
Aber jeder definiert Nähe ganz subjektiv. Für mich ist es die ungeteilte Aufmerksamkeit im Gespräch, das höre ich auch immer wieder von anderen Frauen. Männer und Frauen reden anders und hören anders. Wir Frauen reden untereinander gern über Gefühle – auch unsere Freundschaften  definieren sich eher darüber.

J
Wir Männer unternehmen eher etwas gemeinsam, aber oft ergeben sich dabei auch gute Gespräche. Ich habe den Eindruck, Frauen steigen schneller in tiefe Unterhaltungen ein. Das ist mir manchmal zu ernst.

E
Wir wälzen schon vieles um, wobei ich in meinen Freundschaften so auch eine Verbundenheit schaffe. Wir Frauen beklagen uns bei euch Männern, dass ihr zu wenig erzählt oder uns schlecht zuhört… Dir fühle ich mich nahe, wenn du mir zuhörst, auch wenn ich dir etwas zum zehnten Mal erzähle. Ich fühle mich dann respektiert, wertgeschätzt und wahrgenommen.

J
Das stimmt! Ich lerne, dir zuzuhören, ohne gleich Lösungsvorschläge zu machen.

E
Wenn ich erzähle, ist es kein Appell an dich, etwas zu verändern – ich  verarbeite.

J
Der Alltag lässt oft wenig Zeit zu reden. Wegen unseren großen Kindern müssen wir viele Themen auf den Abend verschieben. Wenn es dann aber auch noch unruhig ist…

E
…dann ist die Stimmung sehr gereizt und wir sollten schnell eine Bremse ziehen, Zeit miteinander verbringen. Nähe ist für mich also Kommunikation. Wie ist es mit dir? Was ist Nähe für dich?

J
Nähe ist für mich auf jeden Fall auch Zärtlichkeit. Ich brauche manchmal aber auch die nötige Distanz, um mir selbst klar zu werden, was ich will. Anders als du verarbeite ich eher alleine. Ich höre beim Autofahren Musik und lasse meine Gedanken schweifen. Also, ich würde mich bei der imaginären Achse genau zwischen Nähe und Distanz setzen.

E
…und ich voll bei Nähe.

 

 

Liebe = Raum

Posted on 23. Februar 2014

So ist der Mensch. Was man an ihm sieht,
gehört zwar auch zu ihm.
Aber das, was der Mensch eigentlich ist,
das ruht so tief in ihm,
dass er es selber gar nicht genau kennt.
Jeder kennt sein eigenes Herz nur unvollkommen.

Wo aber geliebt wird, da tut sich das Herz auf,
zuerst ein wenig, dann mehr
und einige Male ganz und vollkommen.

Hans Asmussen

 

Paar-im-Licht

 

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